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Wenn Bewegung zur Qual wird: Volkskrankheit Rheuma

25. Nov 2018

Jeder Schritt tut weh, jede Bewegung bringt Schmerzen – und am liebsten möchte man sich nur noch ausruhen: Solche Knochen- und Gelenkschmerzen werden, unabhängig von ihrer Ursache, im Volksmund als „Rheuma“ bezeichnet. Tatsächlich kann man die Schmerzen jedoch in verschiedene Gruppen unterteilen. Wir zeigen Ihnen, welche Formen von Rheuma es gibt und was Sie als Betroffener tun können. Trotz modernster medizinischer Methoden ist Rheuma noch immer nicht heilbar. Je nach Ursache kann jedoch Abhilfe geschaffen werden – so werden die Schmerzen gelindert und die Lebensqualität der Patienten steigt wieder. Grob lässt sich Rheuma in über 400 einzelne Krankheiten aus drei Gruppen unterscheiden: chronische Polyarthritis (cP), Spondylarthropathien und Kollagenosen.

Chronische Polyarthritis

Die chronische Polyarthritis, auch rheumatoide Arthritis genannt, ist in Europa das häufigste rheumatische Krankheitsbild: In Österreich werden rund 50.000 Fälle der Krankheit geschätzt. Sie zeigt sich durch Entzündungen, die häufig vor allem die kleinen Gelenke befallen, zum Beispiel Finger- oder Zehengelenke. Oft kann man auch eine schmerzhafte Schwellung des Kniegelenks feststellen. Typisches Merkmal der chronischen Polyarthritis ist die morgendliche Steifigkeit der betroffenen Gelenke, die sich im Tagesverlauf bessert. Nach wie vor ist unklar, welche Ursache zur Bildung der Krankheit führt – es steht jedoch fest, dass es sich bei der chronischen Polyarthritis um eine Autoimmunerkrankung handelt. Körpereigene Zellen, die eigentlich für die Abwehr äußerer Stoffe zuständig wären, richten sich dabei gegen das körpereigene Gewebe und rufen die beschriebenen Entzündungen hervor. Wird die chronische Polyarthritis nicht behandelt, kann neues, aggressives Gewebe – im Fachjargon „Pannus“ genannt – in Knorpel und Gelenke einwachsen und zu schwersten Degenerationen führen. Eine frühe Erkennung und Behandlung der Krankheit ist also von höchster Wichtigkeit!

Spondylarthropathien

Unter Spondylarthropathien versteht man eine große Gruppe rheumatischer Krankheiten, der zum Beispiel auch der bekannte Morbus Bechterew angehört. Allen Krankheiten dieser Gruppe gemeinsam ist, dass typischerweise die Wirbelsäule mitbetroffen ist und sich auch die Sehnenansätze entzünden. Im Gegensatz zur chronischen Polyarthritis beginnen Spondylarthropathien oft bereits im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Typisches Symptom ist ein entzündlicher Rückenschmerz, der vor allem in Ruhe auftritt, sich also vermehrt während der Nacht bildet. Die Betroffenen klagen häufig darüber, von massiven Rückenschmerzen geweckt zu werden. Auch Entzündungen zum Beispiel der Achillessehne können auftreten, genauso wie Entzündungen außerhalb des Bewegungsapparates, zum Beispiel in Harnröhre, Vorhaut oder Darm.

Kollagenosen

Kollagenosen sind Krankheiten wie zum Beispiel Lupus, Sklerodermie und Polymyositis, die allesamt Autoimmunerkrankungen sind und verschiedenste Organsysteme befallen können. Zum Beispiel kommt es bei Lupus (die Krankheit, unter der auch Popsängerin Lady Gaga leidet) zu charakteristisch aussehenden Hautrötungen, die optisch Wolfsbissen ähneln – daher der Name „Lupus“, lateinisch für Wolf. Auch Kollagenosen können in jedem Lebensalter auftreten; typisch ist, dass sich die entsprechende Krankheit in den Zwanzigern und Dreißigern zum ersten Mal zeigt. Das Gefährliche an Kollagenosen ist der bereits erwähnte Organbefall: Er kann zu Herzbeutelentzündungen, Lungen- und Rippenfellentzündungen sowie zu Krampfanfällen führen, wenn das Nervensystem betroffen ist. Nur durch eine fachärztliche Therapie können Kollagenosen zumindest in Schach gehalten werden.

So gewinnen Sie den Kampf gegen die Schmerzen

Wichtig bei jeder Art des Rheumas ist eine möglichst frühe Erkennung. Wenn die Krankheit noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, kann sie am leichtesten therapiert werden. Übrigens: Dass rheumatische Erkrankungen nach bisherigem Forschungsstand unheilbar gelten und Patienten meist ein Leben lang begleiten, muss nicht unbedingt heißen, dass eine andauernde Therapie nötig ist. Oft verläuft die quälende Krankheit in Schüben – das bedeutet, dass es auch lange schmerzfreie Episoden gibt, bevor wieder eine Phase mit Schmerzen auftritt. Bei leichten Formen von Rheuma genügen sogenannte Antirheumatika, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten, so werden zusätzliche Maßnahmen nötig.

Verschiedene Therapiemethoden führen zum Ziel

Hauptziel der Rheumatherapie ist es, den Patienten (wieder) in die Gesellschaft einzugliedern und ihm ein befriedigendes und funktionierendes Leben mit möglichst wenig Einschränkungen zu ermöglichen. Neben der Gabe von passenden Medikamenten kann Krankengymnastik, Ergotherapie und physikalische Therapie (zum Beispiel gezielte Behandlung mit Kälte oder Wärme) zum gewünschten Erfolg führen. Auch Psychotherapie und Sozialberatung bzw. soziale Unterstützung im Alltag sind für viele Patienten äußerst wichtig. Der Facharzt erstellt ein umfassendes Therapiekonzept, das sich nach dem individuellen Krankheitsbild des Betroffenen richtet, und leitet weitere Schritte ein. Zögern Sie also nicht, bereits bei ersten Anzeichen einer rheumatischen Erkrankung zum Spezialisten zu gehen!

Haben Sie Fragen zum Thema Rheuma oder sind Sie auf der Suche nach begleitenden Maßnahmen für Ihre Therapie? Gerne beraten wir Sie in unserer Apotheke – wir freuen uns auf Ihren Besuch.